Der Wandel nimmt jeden mit

Wer früher »Made in Germany« sagte, dachte automatisch an den deutschen Mittelstand. Präzision, Qualität und Innovationen haben ihn groß gemacht. Ist heute von Innovationen die Rede, kommt einem weniger deutsche Wertarbeit in den Sinn als vielmehr Software aus dem Silicon Valley. Digitalisierung und Disruption lauten die Schlagworte. Beide werden die Arbeitswelt des Mittelstands nachhaltig verändern.

Ein gutes Beispiel für Disruption – also für Innovationen, die die Erfolgsserie einer bestehenden Technologie beenden oder diese vom Markt verdrängen – ist WhatsApp. Innerhalb von nur wenigen Jahren hat ein anfangs winziger Messenger-Dienst dem SMS-Marktführer Telekom ein Millionen-Geschäft weggeschnappt. Waren die betroffenen Telekom-Mitarbeiter auf diesen Wandel gut vorbereitet?

Digitalisierung – sprich Roboterisierung und Automatisierung – gilt als das Mittel der Zukunft, um die europäischen Produktionskosten auf einen wettbewerbsfähigen Level zu drücken. Das wird Arbeitsplätze kosten. Wie nimmt der Mittelstand seinen Arbeitnehmern die Angst vor Arbeitsplatzverlust?

Wenn das Potenzial, das im 3D-Druck schlummert, komplett erschlossen ist, werden sich die Lieferketten entscheidend verändern. Ersatzteile werden nicht mehr vorproduziert und verschickt, sondern vom Servicemitarbeiter vor Ort gedruckt, wenn sie gebraucht werden. Wie sorgt man dafür, dass die firmeneigenen Lager- und Logistikmitarbeiter nicht aus allen Wolken fallen?

In Zeiten des Wandels kommt es entscheidend darauf an, die Mitarbeiter von dem Weg zu überzeugen, den man gemeinsam geht. Wer eine starke Arbeitgebermarke hat, tut sich damit deutlich leichter. Employer Branding bietet Lösungen für viele Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt:

  • Das Arbeitgeberbild wird präziser. Vor allem für den Mittelstand ist es eine Herausforderung, mit dem juvenilen, unverbrauchten Charme der Startups und Internetkonzerne konkurrieren zu müssen. Ein klares Profil ist hilfreich. Man weiß, wer man ist, verfällt nicht in blinden Aktionismus und kann unaufgeregt Aktivitäten entwickeln, die zu neuen Denkweisen und neuen, wettbewerbsfähigen Strukturen führen.
  • Das Recruiting wird effizienter. Man findet schneller qualifizierte Mitarbeiter sowohl was die Zielgruppe der klassischen ITler (Entwickler) angeht als auch Professionals mit tiefem IT-Know-how für Vertrieb und Marketing.
  • Die Mitarbeiterbindung erhöht sich. Starke Arbeitgebermarken geben Mitarbeitern das gute Gefühl, sich für den richtigen Arbeitgeber entschieden zu haben. Das festigt das Vertrauen ins Unternehmen. Mitarbeiter können als Multiplikatoren und Ambassadors gewonnen werden.
  • Die Mitarbeiterqualifizierung gelingt leichter. Wer eine gute Bindung zu seinem Arbeitgeber hat und seine Zukunft im Unternehmen sieht, ist offener für eine stetige Weiterqualifizierung. Das ist vor allem, aber nicht nur im IT-Bereich entscheidend.
  • Die interne Kommunikation wird glaubwürdiger. In Change-Prozessen müssen Veränderungen eindeutig kommuniziert und offen diskutiert werden, um aufkommenden Unsicherheiten entgegen zu wirken. Viessmann hat vor drei Jahren eine eigene App für die Mitarbeiterkommunikation eingeführt. Seither muss Wichtiges nicht mehr auf den halbjährlichen Erscheinungstermin der Mitarbeiterzeitschrift warten, sondern wird zeitnah in sieben Sprachen auf die Smartphones von weltweit 12.000 »Viessmännern« gesendet.

Fazit: Der Wandel nimmt jeden mit, ob er will oder nicht. Employer Branding kann dafür sorgen, das sich keiner abgehängt fühlt.

Zum Weiterlesen: http://www.wiwo.de/unternehmen/mittelstand/innovationen-wie-mittelstaendler-mit-digitalisierung-umgehen/20912854.html?xing_share=news