Die nächste Azubikampagne kommt bestimmt

Über den demographischen Wandel ist schon viel, wenn nicht sogar alles gesagt worden. Wir wollen das Fass an dieser Stelle nicht erneut aufmachen, sondern nur kurz anmerken, dass die Demografie auch im Agenturleben erbarmungslos zuschlägt. Sprich: Die Employer-Branding-Berater werden immer älter, die Zielgruppen immer jünger.

So mancher 36-jährige Kommunikationsprofi schüttelt fassungslos das schüttere Haupt, weil er die Welt der 16-Jährigen nicht mehr versteht. Sich als »Ausgelernter« in Schülerköpfe und -herzen hineinzudenken ist strategische Schwerstarbeit. Zu unser aller Glück gibt es das alljährliche Schülerbarometer von trendence. Von Februar bis Juni werden 20.000 Schüler an 700 Schulen befragt, im August die Ergebnisse präsentiert. Die Insights überraschen immer wieder aufs Neue.

Was uns dieses Jahr überrascht oder beeindruckt hat:

1. Polizei schlägt BMW. Die Top 5 der beliebtesten Arbeitgeber für den Berufseinstieg sind Polizei, adidas, Bundeswehr, BMW und Audi. Jeder vierte Schüler möchte im öffentlichen Dienst arbeiten, nur noch jeder fünfte in der Automobilindustrie. Bislang war das umgekehrt. Die drei Erstgenannten hatten 2017 übrigens bärenstarke Social-Media-Auftritte am Start sowie nach Meinung der befragten Schüler die besten Karrierewebsites, die besten Karriereanzeigen und die besten Auftritte auf Karrieremessen. So kann man sich mit gelungenen Employer-Branding-Kampagnen innerhalb kürzester Zeit ins Bewusstsein von Schülerinnen und Schülern katapultieren. 1

2. Ratlosigkeit in der Schulbank. Jeder dritte Schüler hat nicht den Hauch einer Ahnung, was er nach der Schule machen soll. Die logische Konsequenz: Das so genannte »Gap Year« boomt. 56 Prozent aller Schüler wollen nach der Schule eine Auszeit einlegen. Zu dieser Ratlosigkeit passt der vielfach geäußerte Wunsch nach noch mehr Unterstützung von Schul- und Arbeitgeberseite in Form von Informationsveranstaltungen, Berufswahltests und Bewerbertrainings. 2

3. Digital Natives sind nicht zwangsläufig Digital Cracks. Die aktuelle Schülergeneration gehört zu den Digital Natives und informiert sich zu 99 Prozent online. Aber aufgepasst! Nur 15 Prozent haben besonders ausgeprägte digitale Kompetenzen. Die meisten entwickeln diese erst im Lauf ihrer Ausbildung. Arbeitgeber, die Schüler einstellen, kriegen also nicht automatisch digitale Cracks auf dem Silbertablett serviert. Im Gegenteil, sie müssen ordentlich in die digitalen Kompetenzen investieren. 3

4. Ausbildungstipps vom Fußballer und der Beauty-Queen. Influencer-Marketing wird immer wichtiger und hat jetzt auch das Personalmarketing erreicht. 66 % aller Schüler bewundern ein Idol aus Sport, Musik oder Internet und würden sich auf Empfehlung ihres Vorbilds über einen Arbeitgeber informieren. In einer perfekten Welt sind beide – Idol wie Arbeitgeber – auf YouTube präsent. Das ist nämlich das bevorzugte Infomedium der Digitals.

Aus alldem möge jeder die richtigen Schlüsse für seine nächste Azubi-Kampagne ziehen. Hat ja keiner behauptet, dass es einfach wird.

Quellen:
1 https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article166903712/Deutsche-Schueler-blamieren-die-Planer-des-Turbo-Abiturs.html): https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article166904098/Bundeswehr-auf-Rang-drei-der-beliebtesten-Schuelerberufe.html)

2 3 4 https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article166903712/Deutsche-Schueler-blamieren-die-Planer-des-Turbo-Abiturs.html)