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Modernes Recruiting: Bewerbende jetzt in den Mittelpunkt stellen!

Jan Köhler • 20.03.2022 • Lesezeit: ca. 4 Minuten

Worauf es beim Recruiting ankommt

Schaut man sich die Karriereseite verschiedener Unternehmen an, stehen da immer wieder Statements in der Art „Mitarbeitende sind bei uns die wichtigsten Personen“. Soweit gut – doch damit Bewerbende nicht den Eindruck bekommen, dass dies nur eine Floskel ist, müssen Unternehmen potenzielle Mitarbeitende schon im Recruitingprozess in den Mittelpunkt stellen. Wie das auf dem aktuellen Bewerbendenmarkt praktisch aussehen kann, haben wir in diesem Artikel zusammengestellt.


Recruitingmarkt im Umbruch – das ist jetzt anders

Dass sich in den letzten Jahren auf dem Arbeitsmarkt viel geändert hat, ist bekannt. Verschiedene Faktoren haben dafür gesorgt, dass in vielen Branchen akuter Fachkräftemangel herrscht. Das bedeutet: Wir haben heute eindeutig einen Bewerbendenmarkt. Vor allem kompetente Kandidat:innen sind heiß umkämpft – und das ist diesen auch durchaus klar. Deshalb müssen Unternehmen Recruiting neu denken. Es geht nicht darum, was Arbeitgeber:inen bisher gewohnt waren. Ausschlaggebend für den Erfolg bei der Kandidatensuche ist, wie diese den Recruitingprozess erleben. Denn wenn sie beim Bewerbungsprozess viele Hürden und wenig Engagement seitens des Unternehmens sehen, können gute Fachkräfte ganz einfach weitergehen.

Recruitingprozess für Bewerbende einfacher gestalten

Recruiting kandidatenorientierter zu gestalten, bedeutet auch, den Bewerbungsprozess für diese so einfach wie möglich zu gestalten. Das bedeutet für Arbeitgebende, dass sie sich beim „War of Talents“ noch mehr Mühe und Gedanken machen müssen. Besonders effektiv hat sich dabei der proaktive Ansatz „Active Sourcing“ erwiesen. Das heißt, dass Unternehmen von sich aus vielversprechende Kandidat:innen ansprechen – in manchen Fällen sogar bevor es überhaupt eine vakante Stelle gibt. Dadurch können Unternehmen aktiv um gute Mitarbeitende werben. Dafür bieten sich relevante Businessportale wie LinkedIn oder XING an, wo Recruiter:innen Professionals ansprechen können, die gerade nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber bei einem passenden Angebot vielleicht zu einem Wechsel bereit wären. Auch Social-Media-Kanäle wie Twitter oder Facebook sind eine Möglichkeit, um gute Mitarbeitende zu finden oder die Information über eine freie Stelle zu teilen. Denn das Netzwerk der eigenen Belegschaft hat sich oft als Goldgrube erwiesen.

Wenn Sie vielversprechende Bewerbende finden, die entweder gerade nicht wechseln möchten, oder denen Sie gerade kein passendes Angebot machen können, halten Sie auf jeden Fall den Kontakt. Bauen Sie einen Talent-Pool auf, in denen Sie interessante Profile aufnehmen (natürlich mit deren Einverständnis). Im Bedarfsfall können Sie dann gezielt auf diese Personen zugehen. Bewerbende in den Mittelpunkt zu stellen bedeutet auch, nicht auf gewohnte Strukturen zu bestehen. Die meisten Bewerbenden möchten kein Anschreiben mehr schreiben und verschicken müssen. Die Bewerbung muss sehr einfach und auch von mobilen Endgeräten aus verfügbar sein.

Am einfachsten ist es, wenn sie direkt im Online Formular relevante Angaben zu Ihrer Person machen und dann von Recruiter:innen kontaktiert werden. War es früher üblich, dass potenzielle Mitarbeitende zweimal zum Vorstellungsgespräch in das Firmengebäude kommen, ist das nicht mehr realistisch. Selbst wenn es sich nicht um eine Remote-Stelle handelt, sollten Unternehmen ein Videointerview anbieten. Denn eine Anreise ans andere Ende der Stadt oder gar noch weiter ist eben auch eine Hürde – die man aber mit Videocalls problemlos aus dem Weg räumen kann.

Recruiting und Arbeitgeberattraktivität: Was Bewerbenden wichtig ist

Wie erhöhen Unternehmen heute ihre Arbeitgeberattraktivität? In den letzten Jahren sind hier einige neue Faktoren dazu gekommen, auf die Bewerbende besonders achten – deshalb müssen Unternehmer:innen schon beim Recruitingprozess bei diesen Punkten überzeugen:

Diversity/Inklusion

Laut einer von StepStone durchgeführten Studie möchten 78 % in einer Umgebung von Inklusion, Vielfalt und Offenheit arbeiten. Das ist ein sehr hoher Wert und muss deshalb bei der Personalrekrutierung berücksichtigt werden. Nicht jedes Unternehmen kann wirklich Diversity Management betreiben, doch auch kleine Veränderungen können in dieser Hinsicht für einen besseren Eindruck sorgen. Das kann sich schon darin zeigen, wie Stellenanzeigen formuliert werden, z. B. durch Gendern, und wenn im Text explizit auch Bewerbende angesprochen werden, deren Muttersprache nicht deutsch ist. Dies drückt nicht nur Offenheit aus, sondern hat gleich einen weiteren Vorteil: Es werden sich mehr Bewerbende angesprochen fühlen und sich für die Stelle interessieren – was beim aktuellen Fachkräftemangel ja unbedingt erwünscht ist.

Unternehmenskommunikation und -kultur

Wie Konsumierende, so sind auch potenzielle Mitarbeitende kritischer geworden. Sie schauen bei Aussagen eines Unternehmens über sich selbst genau hin: Ist das Gesagte schlüssig? Passt das zur erlebten Interaktion mit dem Unternehmen? Bekommen Mitarbeitende Gelegenheit, ihre Ideen einzubringen, und werden sie wertgeschätzt? Was sagen (ehemalige) Mitarbeitende auf Bewertungsplattformen über den Arbeitgeber:innen – und in welcher Art wird dazu Stellung bezogen?

Werte, die auf der Unternehmenswebsite propagiert werden, müssen konsequent gelebt werden. Ansonsten wird das von Bewerbenden oft als unehrlich empfunden. Bei jedem Kontakt mit Kandidat:innen ist es deshalb auch Aufgabe der Recruiter:innen, die Unternehmenskultur attraktiv und glaubhaft zu vermitteln.

Work-Life-Balance

Arbeit ist mehr als Finanzierung des Lebensunterhalts – moderne Mitarbeitende suchen einer Arbeitsumgebung, die mit ihrer angestrebten Lebensführung harmoniert. Deshalb muss bei der Mitarbeitergewinnung heute darauf geachtet werden, welches Bild Kandidat:innen vermittelt wird. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Hybridlösungen sind ein guter Anfang. Doch es gehört noch mehr dazu, um Mitarbeitenden eine gute Work-Life-Balance zu bieten: Eine gelungene Candidate Experience überzeugt davon, dass in diesem Unternehmen Bedürfnisse auch nach der Einstellung respektiert werden und auf das Employee Wellbeing geachtet wird.

Stellenanzeigen attraktiv gestalten

Wie weiter oben bereits erwähnt, kann schon eine Stellenanzeige aussagen, wie es in einem Unternehmen um die Vielfalt und Wertschätzung der einzelnen Mitarbeitenden steht. Trotzdem müssen Stellenanzeigen, Fotos und Aussagen über das Unternehmen wahr sein. Versprechen, die auf diese Weise gemacht werden, müssen gehalten werden. Suggerieren Sie also nichts, was (noch) nicht umgesetzt wird, sondern schreiben Sie besser über das Gute, das Ihr Unternehmen bereits bietet. Durch niederschwellige Anforderungen bei Deutschkenntnissen (A2 oder B1) signalisieren Sie beispielsweise schon, dass in Ihrem Unternehmen grundsätzlich Vielfalt gewünscht ist. Stellentitel müssen natürlich geschlechtsneutral beschrieben werden und auf den ersten Blick erkennen lassen, um welche Aufgaben genau es sich handelt. Laut einer Umfrage von Softgarden gibt es einige Kriterien, die Bewerbende abhalten: Für 35 % wäre das eine unklare Aufgabenbeschreibung, für 18 % ein nichtssagender Jobtitel.

Das bedeutet für Recruiter:innen: Klarheit vor Kreativität. Stellenanzeigen dürfen gerne ansprechend und erfrischend anders sein, müssen aber vor allem schnell erkennen lassen, um was es sich dreht. Abgesehen von inhaltlichen Angaben werden laut Stepstone Stellenanzeigen durch Folgendes attraktiver:

  • Einbindung von Bildern – optimal sind echte Bilder von Arbeitsumgebung und Team.
  • Videos – Team kann zum Beispiel über den Alltag im Unternehmen berichten.
  • Corporate Branding – Anzeige in Unternehmensfarben gestalten.
  • Unternehmensprofil auf Bewerbungsportal, auf dem sich Bewerbende über das Unternehmen informieren können.
  • Die Stellenbeschreibung sollte möglichst konkret und ohne Floskeln sein – Aussagen wie „interessante Aufgaben im Vertrieb“ nützen wenig. Welche Skills sind wirklich wichtig? Auch hier punkten Sie damit, dass Sie möglichst spezifisch werden, aber keine überzogene Anforderungen stellen.
  • Ein großes Plus ist übrigens die Angabe zu Homeoffice und Gehalt. Fehlen diese Informationen, brechen viele Kandidat:innen aus diesem Grund eine Bewerbung ab!

Ein neuer Ansatz: Skills und Erfahrungen der Bewerbenden im Vordergrund!

Recruiting neu zu denken bedeutet auch, Erwartungen an Kandidat:innen zu überdenken. Nicht nur, dass die Ansprüche und Anforderungen an potenzielle neue Mitarbeitende in den letzten Jahre immer höher werden – wer hier zu eng denkt, wird vor allem angesichts des Fachkräftemangels kaum gute Mitarbeitende finden. Denn keine:r ist absolut perfekt für einen Job geeignet. Mal wird Fachkompetenz in einem bestimmten Bereich oder Tool fehlen, mal der bisherige Lebenslauf ungewöhnlich sein. Die Lösung? Beim Auswahlprozess nicht an alte Muster festhalten, sondern auf die wirklich wichtigen Skills und Erfahrungen der Bewerbenden fokussieren! Das bedeutet, dass vielleicht Kommunikationsfähigkeit und Empathie für eine Aufgabe im internationalen Team wichtiger sein können als eine bestimmte Ausbildung.

Und hinter einer „Lücke“ im Lebenslauf, wie es früher genannt wurde, könnten auch Mut, Entscheidungsfreude, Disziplin und Zielstrebigkeit stehen – wenn die sich bewerbende Person beispielsweise in dieser Zeit eigene wichtige Projekte umgesetzt hat. Sogenannte Soft Skills können für viele Aufgaben viel wichtiger sein als bereits bestehende Erfahrung in einem Bereich. Da kommt es auch auf die Urteilsfähigkeit der Recruiter:innen in Vorstellungsgesprächen an: Kann man aus gutem Grund darauf vertrauen, dass sich diese Person engagiert und eigenverantwortlich in den Aufgabenbereich einarbeiten wird? Dieser Ansatz wird das Recruiting vereinfachen und bei entsprechenden Formulierungen in Stellenausschreibungen noch mehr gute Kandidat:innen ansprechen.

Fazit

Es ist klar, dass sich die Zeiten geändert haben. Recruiting muss für Bewerbende einfach und attraktiv gestaltet werden – mit alten Methoden können nur schwer gute Mitarbeitende gefunden werden. Deshalb müssen herkömmliche Methoden überdacht werden – und hier sind Unternehmen gefragt, um den Recruitingprozess reibungslos, kreativ und effektiv zu gestalten. Ob Stellenanzeigengestaltung oder andere Instrumente der Personalbeschaffung – wir beraten Sie gerne dazu, welche Möglichkeiten Sie dabei haben. Sprechen Sie uns an!

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